Das Prinzenbad darf nicht baden gehen!

01.12.2009: Eine Investorengruppe will Teile der Liegewiese bebauen. Die Grünen sind gegen den Verkauf und die Änderung des Bebauungsplans

  
 

Prinzenbad Foto: Taina Gärtner

Stellen Sie sich vor: Zur Finanzierung eines neuen Pamukkale-Brunnens wird vorgeschlagen, den Rodelberg im Görlitzer Park zu verkaufen und zur Bebauung freizugeben. Der Hügel, schön gelegen am Landwehrkanal, wird zum Villenhügel mit "Townhouses".

Ähnliches schlagen Investoren nun für das Prinzenbad vor: Dort soll die beliebte FKK-Wiese, ein letztes innerstädtisches Kleinod für Freikörperkultur in Berlin, einem Bauprojekt zum Opfer fallen, ebenso ein Teil der "normalen" Liegewiese. Mit dem Verkaufserlös soll das kaputte Mehrzweckbecken komplett erneuert werden. Die Berliner Bäderbetriebe argumentieren, dass die Zuschüsse vom Senat nicht ausreichten, um die Baumaßnahmen zu finanzieren. Außerdem habe sich das Freizeitverhalten geändert und es kämen nicht mehr so viele Badegäste, weswegen die Liegeflächen nur an etwa sieben Tagen im Jahr bis zum letzten Winkel bevölkert sind.

Liegt das nicht eher an den Eintrittspreisen, die kräftig angestiegen sind, künftig weiter steigen und den Badebesuch langsam zum Luxusvergnügen werden lassen? Gerade für die vielen Transferempfänger und Familien mit geringem Einkommen im Bezirk?

Wohnen am Schwimmbad

Die Methode, zum Stopfen von Haushaltslöchern und Finanzierungslücken öffentliche Grundstücke und Gebäude zu verkaufen, ist in Berlin schon seit Jahren gang und gäbe. Nachdem der Liegenschaftsfonds, der Immobilienverwerter des Landes, anfänglich die besonders attraktiven Angebote losschlagen konnte, bleibt er nun zunehmend auf Restposten sitzen. Diesen Weg sollten die Bäderbetriebe gar nicht erst beschreiten, denn als Strategie zur Sanierung der Sommerbäder taugt er nicht. Zugegeben, das besagte Grundstück ist ein Filetstück, in der Innenstadt, mitten im Grünen, am Landwehrkanal gelegen. Ein wahrer Leckerbissen! Dies hat auch eine Baugruppe erkannt, die nun gemeinsam mit den Bäderbetrieben Druck aufbaut, damit die Bezirksverordneten mittels eines neuen Bebauungsplans Baurecht schaffen. Diese Baugruppe, die sich für autofreies Wohnen einsetzt, fand Angebote des Bezirksamts an anderer Stelle nicht attraktiv genug. Denn auch unser grüner Bezirksbürgermeister Franz Schulz will den Bau unbedingt verhindern. Einige Vertreter der Baugruppe kämpfen am Gleisdreieck für mehr Grün, hier wollen sie es zubauen und nehmen dafür sogar Baumfällungen in Kauf. Bezahlen müsste dafür die Allgemeinheit, die in einem dicht besiedelten Bezirk mit hohem Mangel an Sport- und Bewegungsflächen einen Teil der Schwimmbadfläche verlieren würde.

Kaltluftschleuse in Gefahr

Die Liegewiesen sind jedoch nicht nur Teil des Sommerbades, sondern auch des überörtlichen Grünzuges. Dieser ist eine wichtige Kaltluftschneise, welche den eng bebauten Kreuzberger Innenstadtbereich ausreichend mit Frischluft versorgt. Ein Wohngebäude in üblicher Höhe hieße, diesem wichtigen ökologischen Luftaustausch einen Riegel vorzuschieben. Einmal bebaut, immer bebaut!

Außerdem ist dieser Grünzug auch Lebensraum von Tieren, die nachts und in den kälteren Jahreszeiten auf Rückzugsräume angewiesen sind. Der Bereich rund um die FKK-Wiese gilt als ausgewiesenes Habichthabitat.

Auch wenn es stimmen mag, dass die Liegewiese nicht jeden Tag im Jahr bis in den letzten Winkel bevölkert ist: Wer käme allen Ernstes auf die Idee, den Rodelhügel im Görli zu bebauen, weil nur sieben mal im Jahr ausreichend Schnee gefallen ist? Nachhaltige Stadtplanung heißt für uns, soziale Aspekte wie die Eintrittspreisgestaltung, Gesundheit, Sport und Ökologie zusammen zu denken. Statt Grundstücke zu verscherbeln, fordern wir eine ausreichende Finanzierung der Bäderbetriebe durch den Senat. Wir werden der unheiligen Allianz von Bäderbetrieben und ökologisch angehauchter Baugruppe standhalten und dafür sorgen, dass das Prinzenbad das bleibt, was es ist: ein unvergleichliches Sommerbad für alle.

Taina Gärtner und Hans Panhoff, Bezirksverordnete

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