Vom Aufstieg und Fall der Gaslaterne

02.12.2009: Nach und nach werden Gaslaternen durch kostengünstige elektrische Laternen ersetzt. Durchaus eine emotionale Angelegenheit. Immerhin weisen Gaslaternen seit über 180 Jahren Berlinerinnen und Berlinern den Weg in dunkler Nacht.

  
 

Gaslaterne in Kreuzberg Foto: ck

Bis Ende des 17. Jahrhunderts sah es in Berlin abends düster aus. Unheimlich mutete ein nächtlicher Spaziergang an. Orientierung boten allenfalls brennende Kerzen, Öllämpchen und eventuell noch das helle Licht des Vollmondes. Eine auf Dauer unbefriedigende Situation für die aufstrebende Residenzstadt. Als Folge wurden Öllaternen errichten. Preußisch sparsam allerdings nur in den lichtarmen Herbst- und Wintermonaten betrieben.

Ein echter Innovationsschub erfolgte schließlich einhundert Jahre später. Pioniere der industriellen Revolutionen kamen zur damaligen Zeit in großer Zahl aus England. Wenig verwunderlich also, dass es mit der Imperial Continental Gas Association eine englische Firma war, die in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann, ein Gasrohnetz durch Berlin zu legen. In der Gitschiner Straße, auf dem Gelände des heutigen Prinzenbades, entstand ein Stadtgaswerk. Seine Aufgabe: Berliner Gaslaternen mit dem notwendigen Gas zu versorgen. Mitte September 1826 war es dann soweit. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung erleuchtete eine erste Gaslaterne den Berliner Nachthimmel. Ort dieses damals Aufsehen erregenden Ereignisses war der Boulevard Unter den Linden. Den Fortschritt schien nun nichts mehr aufzuhalten. Die Gaslaternen wurden bezüglich ihrer Leistung fortwährend verbessert und der Umgang mit ihnen professionalisiert. Ein letzter Laternenanzünder musste im April 1925 in Friedrichshain seinen Dienst quittieren. Fortan wurden sämtliche Gaslaternen der Stadt per Fernzündung zum Leuchten gebracht. Ihre Zahl erreichte bald die 88000er Marke. Doch sie waren schon damals nicht mehr alleine. Die Konkurrenz der mit Strom betriebenen Laternen lauerte bereits an diversen Straßenecken. Während des Zweiten Weltkrieges mussten beide Laternenspielarten herbe Verluste hinnehmen. Im Ostteil der Stadt tendierte die Stimmung anschließend Richtung elektrischer Leuchten, während die Gaslaternen im Westteil eine zweite Chance bekamen.

Doch damit soll nun Schluss sein. Die aktuell 44000 Gaslaternen sind nach Aussagen der Senatsverwaltung kostenintensiver und umweltschädlicher als der elektrische Rivale. Ein Austausch daher notwendig. Dagegen wehrt sich die Initiative Pro Gaslicht. Sie bezweifelt die Zahlenbeispiele der Senatsverwaltung. Im Streit geht es um Kostenminimierung auf der einen und um Gaslaternen als Berliner Kulturgut auf der anderen Seite. Immerhin befindet sich die Hälfte aller europäischen Gaslaternen in der deutschen Hauptstadt.

Ein kleines Trostpflaster für die Verteidiger der Gaslaternen: Historisch und gleichzeitig touristisch stark frequentierte Orte wie der Gendarmenmarkt sollen auch zukünftig in das schummrige Licht der Gaslaternen getaucht werden. Ansonsten sieht es leider Düster für die Zukunft der Berliner Gaslaterne aus. Alexander Jossifidis

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